Und dann kam Selma…

Damals beim Eintrittsgespräch erklärte sie, dass eine Anstellung nur in Frage kommt, wenn sie ihren Hund zur Arbeit mitbringen kann. Eine klare Ansage, eine Herausforderung für mich als Heimleiterin.

Mein Entscheid, die beiden im Doppelpack anzustellen, erwies sich als richtig, eine Bereicherung für unser Haus. Leider mussten wir uns nach ein paar Jahren schweren Herzens von Sina verabschieden. Es war vor allem für Frau Windisch ein schmerzlicher Verlust.

Sie kam am 26. Januar 2010 zur Welt. Als mir Frau Windisch mitteilte, dass sie sich wieder einen Hund zulegen wollte, war klar, Selma gehörte von Anfang an dazu. Via Internetplattform konnten wir die Entwicklung von Selma von ihrem ersten Lebenstag an mitverfolgen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ende Mai 2010 trat Selma ihren „ersten Arbeitstag“ im St. Elisabethenheim an. Ein kleines, quirliges Bündel Hund, welches im Fluge die Herzen der BewohnerInnen, des Personals und vor allem der Heimleiterin eroberte. Ohne Hemmungen, aufmerksam und freundlich ging Selma auf alle Menschen zu. Der geborene Therapiehund. Der Gedanke war geboren. Doch zuerst musste Selma noch ihre Eignung beweisen. Kein Problem! So begann für Besitzerin und Hund eine intensive Zeit der Ausbildung und des Trainings, welches durch Bestehen der Abschlussprüfung (VTHS) am 13. April 2013 belohnt wurde. Bereits während ihrer Ausbildungszeit durfte ich miterleben, wie wohltuend und kreativ sich die Anwesenheit und der Einsatz von Selma auf unsere BewohnerInnen auswirkt. Ich bin wieder erstaunt und fasziniert, was Selma bei den BewohnerInnen auszulösen vermag. Alle Sinne werden berührt und gefördert. Zum Beispiel bei einem Spaziergang im Freien mit Ball werfen und Apportieren, beim anschliessenden, Duschen und Föhnen, wenn es draussen nass ist, oder einfach mal Kämmen und Bürsten oder Kuscheln. Bei Übungen, welche die Motorik anregen, Ballwerfen, Beine anheben, damit Selma Schlange gehen kann, Leckerlis verpacken, damit Selma diese auspacken kann – angespornt von unseren BewohnerInnen. 

Gedächtnis und Fantasie werden angeregt und gefördert, es werden Erinnerungen wach an den geliebten Hund, den man selber einmal besessen hat. Die BewohnerInnen erzählen und tauschen sich aus - was, wenn in der Verpackung nicht Leckerlis sondern Goldvreneli eingepackt wären – aber wie kommt man an diese ran – ganz einfach, mit einem Magnet – ja das ist eine fantastische Idee.
Aber auch Selma muss sich hin und wieder ausruhen, doch bevor man sie zu ihrer Siesta entlässt wird sie von den BewohnerInnen selbverständlich belohnt und verabschiedet, mit einem Apfel. Liebevoll teilt Frau B. den Apfel in Schnitzchen auf, jede BewohnerIn erhält einen Schnitz den Selma auf einem Abschiedsrundgang zugesteckt bekommt. Manchmal ist vom Schnitz nur noch die Hälfte oder gar nichts mehr vorhanden, denn mich gelüstet auch nach einem Apfel! Alle sind sind glücklich und auch ein wenig müde. Siesta ist angesagt. Doch eines ist sicher, Selma ist ein grosser Schatz und eine hervorragende Mitarbeiterin, davon sind alle überzeugt und freuen sich bereits auf die nächste Runde.
Selma verfügt über eine grosse Sozialkompetenz, so würde man ihre Eigenschaften bei einem Menschen bezeichnen.

ST. ELISABETHENHEIM
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Heidi Keller